Remis im Spitzenspiel
Quelle: IMG
Der FC Schalke 04 hat den Sprung an die Tabellenspitze der Bundesliga verpasst. Einen Tag nach der Bayern-Niederlage in Frankfurt kam die Mannschaft von Trainer Felix Magath beim Hamburger SV nicht über ein 2:2 (0:1) hinaus.
Damit bleiben die Schalker mit 55 Punkten einen Zähler hinter dem deutschen Rekordmeister aus München. Kevin Kuranyi mit seinem 15. Saisontor (62.) und Ivan Rakitic (67./Foulelfmeter) trafen für die Gäste. Ruud van Nistelrooy (40.) hatte die Hausherren nach einem Fehler von Schalke-Keeper Manuel Neuer in Führung gebracht. Den zweiten Hamburger Treffer erzielte Jonathan Pitroipa (77.).
Ohne Boateng und Elia
Der Gastgeber hatte nach dem aufreibenden Auswärtsspiel in Lüttich zwei Ausfälle zu beklagen. Eljero Elia wurde nach anhaltenden Knöchelproblemen schon operiert, der Niederländer fällt vermutlich für vier Wochen aus. Auch Jerome Boateng musste angeschlagen passen, Piotr Trochowski rückte in die Startelf. Schalke konnte fast aus dem Vollen schöpfen, nur die Langzeitverletzten Jermaine Jones, Levan Kenia und Christian Pander fehlten.
Beim HSV spielte Marcell Jansen für Boateng hinten links, Trochowski vertrat Jansen links im Mittelfeld und Tunay Torun kam auf der rechten Seite zum Einsatz. Felix Magath versuchte es mit einem "4-4-2" bei dem Heiko Westermann im rechten Mittelfeld auflief. Neben dem Nationalspieler bot Magath mit Peer Kluge und Joel Matip zwei weitere defensive Kräfte im Mittelfeld auf.
Westermann im Mittelfeld - Schalke mit guten Chancen
In der zehnten Minute trat Westermann in der Offensive in Erscheinung, als er Kevin Kuranyi frei spielte, der aus spitzem Winkel zum ersten Mal Frank Rost prüfte. Auf der anderen Seite blitzte die Schlitzohrigkeit von Ruud van Nistelrooy auf, der einen Trochowski-Freistoß an seinem Gegenspieler, aber auch am langen Pfosten vorbei spitzelte (14.).
Das Spiel nahm nur langsam an Fahrt auf, die Schalker wirkten zunächst gefährlicher, doch der Gastgeber hatte nach zwanzig Minuten das Spiel angenommen und beide Teams egalisierten sich weitestgehend. Die nächste Chance entstand dann auch aus einem groben Schnitzer. David Rozehnal ließ sich von Kuranyi den Ball abluchsen, Farfan nahm die Kugel auf, spielte Kuranyi an, der aus 14 Metern am heraus geeilten Frank Rost scheiterte (27.).
Ab der 30. Minute fing Schalke dann auch an zu spielen. Ivan Rakitic spielte Doppelpass mit Westermann, wurde dann jedoch im Torabschluss entscheidend von Joris Mathijsen gestört. Die Gäste hatten leichte Vorteile, konnten die wenigen Chancen aber nicht nutzen. Auch Jefferson Farfan, der sich in der 36. Minute Richtung Tor aufmachte, ließ sich durch eine gut getimte Grätsche von Ze Roberto stoppen.
Neuer patzte, Hamburg führte
Rafinha versuchte dann, den HSV ins Spiel zu bringen. Sein Foul in der 40. Minute bescherte den Hamburgern einen Freistoß aus aussichtsreicher Position. Trochowski nahm Maß, schoss den Ball über die Mauer und Schalkes Keeper Neuer ließ den Ball nach vorne abprallen. Dort lauerte Ruud van Nistelrooy, reagierte blitzschnell und netzte aus fünf Metern ein. Die Führung tat dem HSV gut. Jetzt rollte der Ball ein ums andere Mal gefällig Richtung Schalker Tor.
Hamburg wirkte bis zum Führungstreffer müde, konnte sich selten Möglichkeiten herausarbeiten. Schalke war im Herausarbeiten von Chancen einen Tick besser, wirkte aber im Abschluss zu wenig entschlossen. Das Tor ließ die Hamburger aufwachen, es blieb aber beim 1:0 zur Halbzeit, eine insgesamt glückliche Führung der Gastgeber. Die Frage, die sich der unbeteiligte Beobachter nach der ersten Halbzeit stellte, war: Wird nach Bayern und Bayer nun auch der Tabellendritte patzen?
Der HSV mit der ersten Chance, Schalke mit hohen Bällen
Der HSV nahm das Tempo der letzten zehn Minuten der ersten Hälfte auf und hatte die erste Möglichkeit. Nach einem gelungenem Pass von Zé Roberto, der Jarolim auf links schickte, flankte der Tscheche aus vollem Lauf, Trochowski war der Adressat, sein Schuss konnte Neuer im kurzen Eck ins Toraus klären (48.).
Schalke drückte mit hohen Bällen in den Hamburger Sechzehner, es war aber wiederum der HSV der die nächste Möglichkeit hatte. Ruud van Nistelrooy vergab ungewohnt abschlussschwach nach einem Fehler der Schalker Deckung (53.). Die Schalker versuchten es weiterhin mit hohen Bällen in den Hamburger Strafraum, was in der 61. Minute dann von Erfolg gekrönt war. Rozehnal verlängerte eine Flanke von Baumjohann unglücklich auf den zweiten Pfosten. Dort konnte Kevin Kuranyi den Ball per Aufsetzer einnicken.
Neun Minuten Tabellenführer
In diesem Moment waren die Knappen noch nicht Tabellenführer, sieben Minuten später zeigte die Live-Tabelle dann königsblaue Farben. Baumjohann war im Sechzehner von Mathijsen und van Nistelrooy angegangen worden, suchte den Strafstoß und bekam ihn. Ivan Rakitic verwandelte erst links unten, der Schiedsrichter ließ wiederholen und verwandelte anschließend rechts unten, zum 2:1 für die Gäste (68.).
Auch die nächste Chance ging auf die Knappen-Kappe. Edu wurde passend von Kuranyi bedient, tanzte Rost aus und spitzelte den Ball Richtung Tor, wo Tomas Rincon den 1:3-Rückstand artistisch verhinderte (74.). Schalke machte das Tor nicht, der HSV war wieder an der Reihe. Trochowski setzte sich auf der linken Seite durch und spielte einen Querpass, der an Freund und Feind vorbei den Weg zum eingewechselten Jonathan Pitroipa fand, der schob am zweiten Pfosten zum 2:2 ein, Schalke hatte die Tabellenspitze wieder abgegeben (77.).
Tolle zweite Halbzeit brachte keinen Sieger
Die zweite Halbzeit hatte einiges Mehr an Tempo und Offensivfussball zu bieten. Auf beiden Seiten ließen die Abwehrreihen viel Raum für Torchancen. Bis zum Schluss war nicht klar, wer hier die Partie gewinnen würde. Wer würde den letzten Satz im letzten Akt sprechen? Trochowski versuchte es per Freistoß (87.), die Schalker versuchten es zum Teil mit fünf Offensivkräften, aber letztlich blieb es beim 2:2 im sonntäglichen Spitzenspiel und bei der Tabellenführung für Bayern München.
Michel Massing
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