Remis im Kellerduell: Babbel weiter ohne Sieg
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Der VfB Stuttgart kam vor 39.000 Zuschauern in der heimischen Mercedes-Benz-Arena nicht über ein 1:1-Unentschieden gegen Hertha BSC hinaus. Die Tore erzielten Adrion Ramos (49.) für Berlin und Zdravko Kuzmanovic, der in der 82. Minute den verdienten Ausgleich erzielte. Der magere Punktgewinn wird Markus Babbel nicht aus der Trainerdiskussion befreien.
Gestern Spitze - heute Kellerkinder
Fußball ist ein kurzlebiges Geschäft. War das Spiel VfB Stuttgart gegen Hertha BSC in der letzten Saison noch ein Duell um die Meisterschaft, ist es heute als brisantes Kellerduell angepfiffen worden. Die Hertha wartet seit dem Sieg am ersten Spieltag auf einen erneuten Dreier. Der VfB Stuttgart wartet seit fünf Spielen auf einen Sieg.
Die Gäste aus Berlin mussten kurzfristig auf Patrick Ebert (Grippe) verzichten. Auch Marc Stein (Muskelfaserriss) und Raffael (Gelbsperre) waren gegenüber der Heimpleite gegen den 1. FC Köln nicht dabei. Einen Platz in der Startelf ergatterten dafür Cicero und Bigalke. Der serbische Mittelfeldspieler Gojko Kacar klagte nach seiner Länderspielreise laut Trainer Friedhelm Funkel über Müdigkeit und saß ebenfalls auf der Ersatzbank.
Stuttgart musste auf Serdar Tasci, Sami Khedira und Ricardo Osorio verzichten. Dagegen konnte der zuletzt wegen eines Hüftmuskelfaserrisses ausgefallene Cacau wieder spielen. Das Sturmduo bildeten so Ciprian Marica und Cacau. Elson und Pavel Pogrebnyak nahmen zunächst auf der Bank Platz. In der Viererkette verdrängte Christian Träsch trotz seiner Adduktorenprobleme Celozzi und spielte auf der rechten Seite.
Wer beendet den Torfluch?
Die Stuttgarter begannen engagiert. Sie wollten den Torfluch loswerden. Damit ist nicht nur die mangelnde Chancenauswertung in dieser Saison, von der übrigens auch der Gast aus Berlin ein Lied singen kann, gemeint. In der Mercedes-Benz-Arena haben die Schwaben in den neun Heimspielen in dieser Saison zwar sieben Mal getroffen - aber nie in das Tor vor der abgerissenen Untertürkheimer Kurve.
Ob nun verhext oder nicht. Die Tatsache, dass weder in der Bundesliga, noch in der Champions League ein Ball seinen Weg in das besagte Tor fand, bewegte Markus Babbel dazu, eine Sonderprämie auszuloben. Babbel: "Für den Spieler, der das erste Tor auf der Baustellen-Seite schießt, lasse ich mir eine besondere Belohnung einfallen. Vielleicht bekommt er dann einen Tag trainingsfrei."
Die Schwaben legten munter los
Schon in Minute fünf hätte Marica sich die Sonderprämie abholen können. Aliaksandr Hleb spielte von der Grundlinie auf Thomas Hitzlsperger zurück, dessen Schuss konnte Jaroslav Drobny nur abgklatschen und Marica schob die Kugel ins Tor. Der Schiedsrichter-Assistent wollte die Geschichte des Torfluches allerdings nicht enden lassen, oder machte einfach nur seinen Job, denn: Der Rumäne stand beim Hitzelsberger-Schuss knapp im Abseits und so fand das Tor keine Anerkennung.
Anerkennen musste man allerdings eine engagierte Anfangsphase des VfB. Die Schwaben agierten flexibel im Offensivspiel. In der Raute zeigten sich Hleb, Sebastian Rudy und Thomas Hitzelsperger variabel, abgesichert vom technisch beschlagenen Zdravko Kuzmanovic. Der Ball rollte so ein ums andere mal gefällig gen Hertha Tor.
Überlegene Schwaben ohne Fortune
In der zehnten Minute brachte das gefällige Angriffsspiel der Schwaben dann auch eine ordentliche Chance zu Tage. Hleb steckte rechts vor dem Strafraumrand auf Cacau durch, der lief aus spitzem Winkel auf Drobny zu, jedoch konnte Cacau aus dieser Position den Routinier im Hertha-Kasten mit seinem Schuss nicht überwinden.
Ein Eckenverhältnis von 4:0 nach 15 Minuten und die nächste Chance machte Stuttgarter Überlegenheit deutlich. Boka hatte in der 18. Minute Bigalke und Fabian Lustenberger genarrt und spielt den Ball auf den heranstürmenden Hleb. Dessen Schuss streift um Haaresbreite am langen Pfosten vorbei.
Ab Minute 24. erhöhte Stuttgart die Schlagzahl. Nach einer Ecke konnte Drobny den Ball mit der Faust nur unzureichend abwehren. Das Leder landete auf dem Fuß von Hitzelsperger, der mit links volley abzog und den Ball über das Tor schoss. Wenig später ging auch ein Fernschuss von Rudy über die Latte und zeigte das Stuttgarter Dilemma in dieser Saison exemplarisch auf. Sie wollen, sie sind bemüht, sie können aber nur selten wirkliche Torgefahr heraufbeschwören, geschweige denn Tore erzielen.
Wo war die Hertha?
Was hatte die Hertha dem Geschehen am heutigen Tag beizutragen? In der 34. Minute spielte Wichniarek den Ball in den Stuttgarter Sechzehner. Delpierre spritze dazwischen und seine unfreiwillige Rückgabe wurde zur ersten gefährlichen Situation, der sich Jens Lehmann in diesem Spiel gegenüber sah. Kein Wunder also, dass die Berliner an dem Schwedischen Stürmer Tobias Hysen von IFK Göteborg interessiert sein sollen.
Die heutigen Sturmhoffnungen lagen also wieder einmal auf Artur Wichniarek , Valeri Domovchiyski und den nachrückenden Sascha Bigalke, Maximillian Nicu und Cicero. Das war aber in der ersten Hälfte graue Theorie, denn es spielte nur der VfB. Und wie war das noch mit dem Torfluch? Eine Sonderprämie musste Trainer Markus Babbel nicht ausschütten. Wieder hatten die elf Schwaben keinen Treffer auf das verhexte Tor vor der abgerissenen Untertürkheimer Kurve erzielt.
Funkel reagierte und zeigte glückliches Händchen
Hertha-Trainer reagierte zur Pause und brachte Adrián Ramos für den fast unsichtbaren Domovchiyski. Ein Wechsel, der sich gleich lohnen sollte. Nicu konnte vier Meter vor dem Strafraum ohne Bewachung einen optimal getimten Ball in den Sechzehner absetzten. Der Kolumbianer zeigte sich antrittsschnell, spielte dann noch geschickt Lehmann aus und ließ die Hertha jubeln (49.).
Stuttgart antwortete mit einer Chance durch einen ruhenden Ball unter Mithilfe von Drobny. Der Hertha-Keeper verschätzte, nicht zum ersten mal in dieser Partie, bei einer Freistoßflanke von Kuzmanovic, der heranrauschende Delpierre konnte den Ball allerdings nur neben das Tor köpfen. Kurz darauf stand wieder Ramos im Mittelpunkt. Seinen Schuss aus 14 Metern konnte Lehmann allerdings im Nachfassen unter sich begraben (56.).
Babbel drohte Heimpleite
Die Partie gestaltete sich nun offener als noch in Halbzeit eins. Hertha hatte zu kontern begonnen, und Stuttgart mühte sich weiter Torgefahr zu erspielen. Das gelang den Schwaben allerdings selten so wie in der 64. Minute: Hleb spielte nach links auf Cacau raus, der sich um Piszczek drehte und Drobny mit einen Schlenzer zu einer starken Parade zwang.
Eine Heimniederlage gegen die Hauptstädter wäre vielleicht die letzte Niederlage, die Markus Babbel nach dem Spiel tapfer zu erklären hätte. Soweit sollte es nicht kommen, Babbel reagierte und brachte Julian Schieber für Marica und Elson für Hitzlsperger. Hertha ließ aber mit gesteigertem Selbstbewusstsein und einem starken Innenverteidiger-Duo Friedrich-von Bergen wenig zu.
Herthas Unvermögen nutzte der VfB postwendend
Sollte Hertha hier wirklich drei Punkte entführen können? Die Chance bot sich den Berlinern in der 82. Minute. Wieder war Ramos frei im Strafraum am Ball, legte diesmal quer, jedoch wurde der mitgelaufene Mannschaftskollege im letzten Moment am Torschuss gehindert. Wer vorne die Chancen vergibt, wird oft bestraft - so auch in diesem Fall. Die Stuttgarter sorgten postwendend für Gefahr durch Schieber, dessen Schuss-Versuche die Hertha-Abwehr mit vereinten Kräften noch blocken konnte, der Ball gelangte allerdings 12 Meter vor dem Tor zu Zdravko Kuzmanovic, der ungehindert einschob (82.).
Stuttgart bestimmte die erste Hälfte. Den VfB verließ nach dem überraschenden Hertha-Treffer dann allerdings ein wenig das Selbsbewustsein, die Schwaben waren nicht mehr so spielbestimmend wie noch in Hälfte eins. Jedoch gaben sich die engagierten Stuttgarter nicht auf und kamen durch Kuzmanovic noch zum verdienten Ausgleich.
Michel Massing
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